Meine Kindheit

 In Der Anfang

Liebe Leser, nachdem ich gestern meine frühe Kindheit und die Behinderung erwähnt habe, möchte ich nun heute auf die Kindheit eingehen.

Wie ich es gestern schon erläutert habe, wurde ich ganz normal mit drei Jahren im Kindergarten eingeschult. Der Kindergarten ist ein fester Bestandteil der Schulzeit in Frankreich. Wie gestern schon angesprochen, hatte ich eine sehr menschliche Lehrerin, die sehr gut mit meiner Behinderung umgegangen ist und immer versucht hat, mich einzubinden und mit den anderen Kindern zu integrieren. Ich bin aber erst mit fünf Jahren zum ersten Mal gelaufen, so dass ich im Kindergarten  nur mit fremder Hilfe, Rollator oder Hand, laufen konnte.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich ja auch mit der Krankengymnastik begonnen. Parallel zur Krankengymnastik habe ich mit drei Jahren angefangen Klavier zu spielen. Meine Mutter wollte ja meine kaputten Beine durch überdurchschnittliche Schulleistungen ausgleichen. Auch in dieser Zeit als kleines Kind wurde mein Schielen weg operiert.

Ich habe nur noch sehr dunkle Erinnerungen an diese Operationen aber ich erinnere mich noch an die Maske, wovor ich Angst hatte, die mir auf die Nase gelegt wurde für die Narkose. Ich kann mich auch entsinnen, dass eine Krankenschwester mich gezwungen hatte, Kalbsleber zu essen. Seit diesem Zeitpunkt kann ich keine Kalbsleber mehr ertragen.

Es war auch eine Periode, in der meine Oma mütterlicherseits sich sehr viel um mich gekümmert hat und auch sehr fürsorglich. Wir sind oft zu ihr in der Nähe von Paris gefahren, somit waren meine Eltern entlastet. Mit meiner Oma sind wir dann zu meinen Ur-Großeltern in die Pyrenäen gefahren. Das kleine Dorf hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Über den ganzen Sommer konnte ich mit den anderen Kindern spielen. Meine Oma schob mich mit einem Kinderwagen durch die steilen Wege der Berge, sodass ich dort meine Behinderung gar nicht mehr als solche wahrgenommen habe. Die einzige Schwierigkeit in dieser Unbekümmertheit waren die Mahlzeiten: Meine Urgroßeltern aßen um feste Zeiten und die Mahlzeiten waren nicht immer an kleinen Kindern angepasst.  Es ist so, dass die Süd Franzosen viel essen.

Die Mengen waren mir zu viel und teilweise habe ich wegen dieser strengen Zeiten fast eine Essstörung bekommen. Daran kann ich mich selbst aber kaum erinnern. Was mir noch sehr präsent in Erinnerung geblieben ist, ist das Erlernen des Laufens. Meine Eltern und meine Oma väterlicherseits waren teilweise mit der Situation überfordert und das Laufen wurde mir mit sehr viel Druck beigebracht, sodass ich gewisse Ängste in Sachen Gleichgewicht und Sturzangst entwickelt habe, die leider heutzutage noch fortbestehen. Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter sehr viel geweint hat, weil ich nicht so wie die anderen laufen konnte.

Und diese Tränen setzten mir sehr unter Druck. Auf der anderen Seite bin ich meiner Mutter sehr dankbar, weil ohne diese Strenge hätte ich vielleicht nicht alles erreicht, was ich bis heute erreicht habe.  Ich denke, dass die Erziehung eines behinderten Kindes sehr schwer ist.

Es ist sehr schwer,

a) die Ruhe zu bewahren und

b) trotzdem dafür zu sorgen, dass das Kind ein vernünftiges Leben führt.

Heutzutage und auch deswegen mit diesem Blog versuche ich mich, von diesen Traumata der Vergangenheit zu lösen und achtsam und liebevoll mit mir selbst umzugehen. Das Ganze erweist sich als eine knifflige und anspruchsvolle Aufgabe. So das war’s für heute Abend.

Morgen geht’s weiter. Gute Nacht allerseits! 

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